Wie wir durch Faulheit und Angst den Problemen ausweichen und was wir dagegen tun können

Du kennst sicher die unangenehmen Gefühle in dir, wenn du vor solchen Problemen stehst:

  • die Finanzen in Ordnung bringen

  • Steuererklärung machen

  • Wohnung aufräumen

  • schwieriges Gespräch mit Mitarbeiter oder dem Chef führen

  • eine Rede vor Publikum halten

  • mehr Sport machen

  • gesündere Ernährung

  • zutiefst zerstrittene Verwandte bei einer Familienfeier treffen

  • etc

 

Der innere Widerwillen gegenüber solchen Dingen kann unglaublich groß sein. Manche Leute schaffen es, sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre vor solchen Problemen zu drücken.

Kleines Beispiel: in unserer Verwandtschaft gibt es ein paar schwierige Konstellationen und zwei nette Dame haben sich derart überworfen, dass sie seit etwa 10 Jahren nicht mehr miteinander reden. Ob zu Recht oder Unrecht soll hier keine Rolle spielen. Entscheidend ist für mich der Wille und die Energie, die manche Menschen aufbringen, um den Status quo aufrecht zu erhalten, obwohl diese Situation nicht unbedingt angenehm ist.

Zu was könnte so ein Mensch fähig sein, wenn er seine Energie nicht zur Beibehaltung, sondern zur Lösung des Problems einsetzen würde? Und warum macht man es denn nicht einfach?

Der Wille eines Menschen kann bekanntermaßen Berge versetzen oder auch so stark verfestigen, dass kein Durchkommen mehr ist.

Anstatt sich dem Problem zu stellen und es zu lösen ist das Ergebnis meinst aufschieben und verdrängen. Man ist innerlich nicht frei, sondern gefangen in seiner Angst oder der Komfortzone.

Der Widerwillen eines Menschen gegenüber Veränderung oder der Auseinandersetzung mit einem Problem hat in meinen Augen zwei mögliche Ursachen: Faulheit oder Angst

 

Die Faulheit

Mit der Faulheit ist es so eine Sache. Man möchte sich den Problemen oder der Veränderung widmen, aber die Trägheit der Masse ist leider stärker und am Ende macht man nichts. Und die Trägheit wirkt sowohl auf den Körper, als auch auf den Geist. Das Verlassen dieser Komfortzone ist eben schwer, weil es so herrlich Bequem ist, man sich so wunderbar damit arrangiert hat und für alles schon eine passende Ausrede bereit hat.

Der Psychoanalytiker Erich Fromm hat sich unter anderem mit der Faulheit des Menschen beschäftigt. Eine These fand ich dabei besonders interessant:

Die Zwänge im Beruf können bei Menschen zu innerer Ablehnung und Widerwillen führen. Die Folge kann eine starke, kindliche Faulheit sein, die im privaten Umfeld exzessiv ausgelebt wird. Also ein maximales Kontrastprogramm zu den äußeren Zwängen, denen man nichts entgegenzusetzen hat. Dies zeigt sich beispielsweise bei jemandem der das Wochenende vor dem Fernseher verbringt, um „sich zu entspannen“. Interessanterweise hält Fromm dies nicht für Entspannung, sonder eben um den ausgelebten Widerwillen, den man dem Chef nichts ins Gesicht zu sagen wagt. Sinngemäß: „Wenn ich auf der Arbeit etwas mache was ich nicht will, setze ich mich aus Protest zuhause auf das Sofa und spiele ein kleines, bockiges Kind“.

Die Angst

Während die Faulheit vermutlich nur auf Bequemlichkeit begründet ist, handelt es sich bei Angst um etwas ganz anderes. Einer Angst ist unter Umständen nicht so leicht beizukommen und kann vielfache Ursachen haben. Angst kann jemanden so stark einschränken, dass man vor praktisch unlösbaren Aufgaben gegenüberstehen sieht.

Einen faulen Menschen kann man mit einem Fußtritt zu einkaufen jagen; Sollte die Person jedoch Angst vor Menschenansammlungen haben, ist ein Fußtritt nicht unbedingt hilfreich.

Ansätze zur Veränderung und Überwindung

Es ist nicht wichtig, ob Veränderung aufgrund von Faulheit oder Angst nicht angegangen wird. Auch die Größe oder Komplexität eines Problems ist nicht entscheidend. Wichtig ist die Veränderung anzugehen und die damit verbundenen Hürden zu überwinden.

Probleme haben leider oft die Eigenart, sich nicht von alleine zu lösen oder zu verschwinden. Es bleibt uns dann nicht erspart, uns aus der Komfortzone zu bewegen und das Problem anzugehen. Sonst bleibt es bis zum St.Mimmerleinstag bestehen und bereitet uns Bauchschmerzen, ein schlechtes Gewissen oder Angst, bis es gelöst wurde.

Erkenntnis: Aufschieben ist also nicht; also ran an den Speck! Aber wie denn nun?

 

  • Man schreibt das Problem auf. Vielleicht folgen daraus noch andere Probleme, die man vielleicht zuerst lösen muss. Das Niederschreiben eines Problems auf Papier ist jedoch der erste wichtige Schritt dazu, diffuse und unzusammenhängende Gedanken aus dem Kopf zu sortieren und klar zu formulieren. Oftmals verliert ein Problem schon durch das aufschreiben einen Teil seiner vermeintlichen Unlösbarkeit!
  • Man formuliert Probleme in Aufgaben um
  • Man zerlegt Aufgaben so lange in Teilaufgaben, bis diese einfach gelöst werden können. Kleine Aufgaben können schneller und einfacher gelöst werden. Außerdem kann man mehr kleine Erfolge feiern.
  • Man sucht sich verschiedene Lösungswege zu jedem Teilaufgaben
  • Man bewertet die Lösungsweise bezüglich des dafür notwendigen Aufwands und deren Wichtigkeit. Für die Lösung eines Problems gibt es immer mehrere Wege. Das passende muss nur gefunden werden.
  • Man fokussiert sich auf das Ziel (nämlich die zu lösende Aufgabe) und nicht auf den Weg dahin. Weil Wege gibt es viele und im Dickicht eines unbekannten Waldes verliert man sich schnell und anstatt des gewünschten Zieles hat einem die Fokussierung auf den weg an des falsche Ziel gebracht. Das Ziel ist immer von primärer Wichtigkeit, der Weg ist sekundär!
  • Man an Aufgaben schrittweise heran und setzt sie schrittweise um. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut.
  • Man feiert für sich (oder mit anderen) die kleinen Erfolge der Teilaufgaben und ist nicht streng zu sich, wenn sich bei den ersten Versuchen noch kein Erfolg eingestellt hat. (Dies ist übrigens auch ein Grundprinzip von Weight Watchers. Hier werden Teilnehmer auch beglückwünscht, wenn sie ihr Gewicht seit dem letzten Mal nicht reduzieren könnten.) Wichtig ist auch hier wieder der Fokus auf die Erfolge mit dem Blick nach vorne und nicht das Beklagen von Misserfolgen.
  • Nicht entmutigen lassen und weitermachen bis man da hingekommen ist, wo man sein will

Ein kleines Beispiel von mir selbst: Ich wurde genötigt beim Firmenlauf von etwa 7 km Strecke mit zu laufen. Jedoch hasste ich joggen schon immer und ohne Training ist hier nicht viel zu wollen. Wie also habe ich mich zu dem Training und der Teilnahme motivieren können?

Ich habe das Training mit meinem Wunsch zu mehr körperlicher Ausdauer verbunden und mich mit anderen einmal die Woche zu trainieren getroffen. Jede Woche habe ich die Trainingsziele für mich selber neu bestimmt, dass sie zwar fordernd aber nicht unerreichbar waren.

Die Ziele für den Firmenlauf habe ich auch in einige Teilziele aufgetrennt:

  • Trainieren für den Firmenlauf

  • Anmeldung

  • Teilnahme am Firmenlauf

  • Den gesamten Lauf bis ins Ziel schaffen

  • Die Laufzeit vom Vorjahr unterschreiten

So war es mir möglich trotz der schlechteren Zeit als im Vorjahr 4 von 5 Zielen erreicht zu haben.

 

Der persönliche Wille zur Veränderung bedarf oftmals viel Kraft, Ausdauer und Mut. Aber nur indem wir uns Problemen stellen und sie angehen können wir ihnen die Größe nehmen und sie lösen. Nur so können wir unsere persönliche Freiheit leben.

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